Regionalbauernverband Mittweida e.V.
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03.04.2014

Diskussionsrunde mit Landtagsabgeordnetem der GRÜNEN

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Der Vorstand des Regionalbauernverbandes hatte bereits im Herbst vorigen Jahres den agrarpolitischen Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/ DIE GRÜNEN, Michael Weichert, zu einer Diskussionsrunde zum Thema moderne Landwirtschaft eingeladen. Vergangenen Dienstag fand nun das lange geplante Treffen bei der Agraset Agrargenossenschaft e.G. Naundorf statt. Der Abgeordnete wurde begleitet von Markus Horn, seinem agrarpolitischen Berater und Georg Hans Ohler, Bio-Landwirt aus Bautzen.

Der Landtagsabgeordnete hatte schon am frühen Morgen für helle Aufregung bei den Landwirten gesorgt. In einem an diesem Tag erschienenen Zeitungsartikel warf er den Landwirten einen ”arglosen Einsatz“ von Antibiotika vor. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung zu Beginn der Diskussionsrunde am Mittag. Trotz aller Schärfe blieb die Diskussion aber immer sachlich.

Erwartungsgemäß gingen die Meinungen zu Themen wie artgerechte Tierhaltung und Medikamenteneinsatz weit auseinander. Die Landwirte betonten, dass sie strenge Vorschriften bei der Dokumentation des Einsatzes von Medikamenten zu erfüllen haben. Aufgrund der strengen Sanktionierung über das Ordnungsrecht und über Cross Compliance kann es sich kein Landwirt leisten, gegen die Dokumentationspflichten zu verstoßen. Da Medikamente aber auch sehr teuer sind, sind Landwirte auch schon deshalb daran interessiert, so wenig wie möglich davon einzusetzen. Trotzdem muss es aber möglich sein, kranke Tiere behandeln zu können.

Was die artgerechte Tierhaltung angeht, betonten die Landwirte, dass sich die Haltungsbedingungen in den letzten Jahren deutlich verbessert haben. Ausschlaggebend für Tierwohl und Tiergesundheit sind nicht die Bestandsgrößen, sondern die Haltungsbedingungen wie Stallklima und Hygiene sowie die Intensität und Qualität der Betreuung der Tiere.

Heute werden Kühe in hellen und luftigen Laufställen gehalten. Kein Vergleich mehr mit der Anbindehaltung in den dunklen, schlecht belüfteten "Tropfsteinhöhlen" früherer Jahre. Sauen werden nicht mehr angebunden und Mastschweine in klimatisierten Ställen gehalten. Für diese verbesserten Haltungsbedingungen haben Sachsens Landwirte in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro investiert. Bisher wird dieses Engagement aber in den wenigsten Fällen über höhere Erzeugerpreise honoriert.

Es gab aber nicht zu allen Themen kontroverse Meinungen. Einig waren sich Michael Weichert und die Landwirte darin, dass die Wertschätzung für die Lebensmittel dringend verbessert werden müsse und regionale Kreisläufe gestärkt werden sollen.

Wie Tiere gehalten werden können, wenn der Verbraucher bereit ist, deutlich mehr Geld für seine Lebensmittel auszugeben, konnten die Teilnehmer der Gesprächsrunde bei einer Besichtigung eines Schweinemaststalls der Wirtschaftshof Sachsenland e.G. sehen. Die Schweine werden dort in Gruppen zu 65 Tieren auf Stroh gehalten. Die Tiere werden nach der Schlachtung als frische Fleisch- und Wurstspezialitäten über die zahlreichen Filialen des Unternehmens vermarktet. Die Haltung auf Stroh ist aber nur dann wirtschaftlich, wenn über die Direktvermarktung je Kilogramm Schwein doppelt so viel erlöst wird, wie die Landwirte derzeit bei Ablieferung an den Schlachthof erhalten.

Verbraucher betonen bei Umfragen immer wieder, dass sie gern bereit wären, mehr zu zahlen, wenn die Tiere besser gehalten würden. Die Möglichkeit ihren Worten auch Taten folgen zu lassen haben sie schon seit vielen Jahren. Sie haben die Wahl zwischen Bio-Laden, Hofladen und Supermarkt. Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher entscheidet sich aber nach wie vor für einen Einkauf zum Billigstpreis beim Discounter.



Informationen:  
Grüne Thesen - Die Fakten (pdf 403 KB)



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