Regionalbauernverband Mittweida e.V.
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24.01.2015

Sind Landwirte tatsächlich profitgierig?

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Gegner der modernen Landwirtschaft werfen den Landwirten vor, sie sperren tausende Tiere aus reinem Gewinnstreben in wenig arbeitsintensive ”industrielle Massentierhaltungsanlagen“.

Ja, auch Landwirte müssen Gewinne erwirtschaften. Landwirtschaft ist kein Hobby sondern, wie der Name bereits sagt, Wirtschaft! Die Erzeugung unserer Lebensmittel kann nicht nur aus reinem Idealismus erfolgen. Wie jedem anderen Unternehmer oder Arbeitnehmer, muss es auch einem Landwirt grundsätzlich gestattet sein, vom Einkommen aus seiner täglichen Arbeit eine Familie ernähren zu können.

Landwirte denken in Generationen und wirtschaften nachhaltig. Nachhaltigkeit beinhaltet aber nicht nur Ökologie, sondern auch Ökonomie und Soziales. Nur wenn mit der landwirtschaftlichen Produktion auch Gewinne erwirtschaftet werden, sind weitere Verbesserungen im Tier- und Umweltschutz aber auch der Arbeitsbedingungen für die Landwirte finanzierbar.

Den profitgierigen Landwirt, der zur Gewinnmaximierung rücksichtslos Tiere und Natur ausbeutet, wie es häufig in den Medien dargestellt wird, gibt es nicht. Landwirte haben ein ureigenstes Interesse an der Erhaltung ihrer wichtigsten Produktionsgrundlage, dem Boden. Auch haben sie ein großes Interesse an guten Haltungsbedingungen für ihre Tiere. Nur Tiere die sich wohlfühlen und die gesund sind, erbringen die erforderliche Leistung.

Vermutlich haben die Meisten noch nie richtigen Hunger kennenlernen müssen. Das ist ein Verdienst der viel gescholtenen modernen Landwirtschaft, gestiegener Betriebsgrößen und effizienter Produktionsmethoden.

Um 1900 produzierte ein Landwirt Nahrungsmittel für etwa vier Menschen, 1950 für zehn Menschen. Heute macht ein Landwirt mit seiner Arbeit 140 Menschen satt.

Um 1900 musste man mehr als 50 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel ausgeben. 1950 waren es noch 40 Prozent und heute sind es heute gerademal 11 Prozent. Das sich viele Verbraucher heute teure Autos und Urlaubsreisen leisten können, liegt nicht allein an gestiegenen Einkommen, sondern zu einem großen Teil auch an den preiswerten Lebensmitteln. Um sich ein Kilogramm Schweinekotelett kaufen zu können, musste der Verbraucher 1970 noch 96 Minuten arbeiten, heute gerade mal noch 20 Minuten.

Landwirte sind 365 Tage im Jahr bei Wind und Wetter im Stall und auf den Feldern im Einsatz und das häufig nicht nur 8 Stunden am Tag. Mit Leidenschaft und Engagement erzeugen sie unsere Lebensmittel. Aber globalisierte Märkte und der enorme Druck des Lebensmitteleinzelhandels führen zu immer geringeren Margen für den Landwirt. Um ein durchschnittliches Familieneinkommen (in Höhe des gewerblichen Vergleichslohns) erzielen zu können, muss
• ein Schweinemäster ca. 10.000 Schweine im Jahr abliefern, das entspricht ca. 4.500 Stallplätzen
• ein Geflügelmäster ca. 700.000 Hähnchen im Jahr abliefern, das entspricht ca. 80.000 Stallplätzen
• ein Legehennenhalter ca. 10.000.000 Eier im Jahr abliefern, das entspricht ca. 30.000 Legehennenplätzen

Die Zahlen basieren auf den durchschnittlichen Erzeugerpreisen des vergangenen Jahres. Aktuell liegen die meisten Erzeugerpreise zum Teil deutlich unter dem letztjährigen Durchschnitt. Eine kostendeckende Produktion von Fleisch und Milch ist deshalb derzeit nicht möglich.

Die romantischen Vorstellungen mancher Politiker und Verbraucher von Bauernhöfen mit 20 Kühen auf der Weide, 20 Schweinen im Koben und 20 freilaufenden Hühnern im Garten entbehren jeglicher Realität. Davon kann heute kein Landwirt mehr leben! Und das Problem des Hungers auf Welt, ist mit dieser Art der Landwirtschaft sicher auch nicht zu lösen.

Die Umsetzung der Forderungen der Gegner moderner Landwirtschaft würde für die Verbraucher Konsumverzicht bedeuten und gleichzeitig deutlich teurere Lebensmittel. Dies wird aber geflissentlich verschwiegen.

Wollen Verbraucher wirklich Verzicht üben und deutlich höhere Lebensmittelpreise zahlen? Die überwiegende Mehrheit entscheidet sich tagtäglich bei der Abstimmung an der Ladentheke dagegen!



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