Regionalbauernverband Mittweida e.V.
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27.11.2015

Verband zieht Jahresbilanz

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Gestern Abend trafen sich die Mitglieder des Regionalbauernverbandes Mittweida zu ihrer Jahresmitgliederversammlung im Ritterhof Altmittweida.

Der Vorsitzende Christian Richter eröffnete seinen Bericht mit einem Rückblick auf den Wetterverlauf und die eingebrachte Ernte.

Der relative trockene Winter und das sehr trockene Frühjahr ließen eigentlich keine guten Erträge erwarten. Glücklicherweise kam im Gegensatz zu anderen Regionen in Sachsen der Regen für die meisten Kulturen gerade noch rechtzeitig. Regional waren Schäden durch Kohlfliege, Rapserdfloh und insbesondere durch Mäuse zu verzeichnen.

Trotz anfänglicher Befürchtungen konnte in diesem Jahr dennoch eine recht gute Ernte eingefahren werden. Die Erträge lagen über dem langjährigen Mittel. Aufgrund der recht hohen Weltgetreidevorräte hat sich der Preis leider bisher kaum nach oben bewegt. Dies wäre aber wichtig, um Verluste aus anderen Betriebszweigen, vor allem aus der Tierproduktion, besser abfedern zu können.

Ein Sektor der Landwirtschaft, der bis auf wenige Ausnahmen, den Berufsstand fast jedes Jahr beschäftigt, ist die Milchproduktion. Seit März 2014 befand sich der Milchpreis auf einem kontinuierlichen Sinkflug. Schon im August 2014 wurde für die meisten Betriebe die Kostendeckungsschwelle unterschritten. Im Oktober 2015 lag der Milchpreis im Durchschnitt der sächsischen Molkereien bei knapp 26 Cent.

In den vergangen 12 Monaten haben die sächsischen Milchbauern einen Wertschöpfungsverlust von ca. 170 Millionen Euro zu verzeichnen. Von den Preiserhöhungen für Trinkmilch bei Lidl und Aldi von 4 Cent kommen bei den Milchbauern gerade einmal 0,5 Cent an. Zudem hatte Lidl im Vorfeld der Preisabhebung für Trinkmilch den Preis für Käse in den Keller geprügelt. Mit den niedrigeren Käsepreisen finan?zieren sie die Trinkmilchpreiserhöhung.

Viele Milcherzeuger kämpfen seit Monaten um ihre Existenz. Die Sicherung der Liquidität stellt sie täglich vor neue Herausforderungen. Das EU-Hilfspaket wird die Lage der Milchbauern nicht wirksam entspannen. Die EU-Marktinstrumente wie private Lagerhaltung und Intervention verpuffen wirkungslos.

Auch den Schweinehaltern geht es nicht besser. Bereits Mitte vergangenen Jahres begann der Schlachtschweinepreis deutlich zu sinken. Der russische Importstopp und gestiegene Schlachtzahlen hatten zu einer Schieflage am europäischen Schweinemarkt geführt. Im Sog der gefallenen Schlachtschweinepreise war auch ein drastischer Rückgang der Ferkelpreise zu verzeichnen. Eine Kostendeckung ist nicht möglich. Aktuell legen die Mäster ca. 25 Euro je Schwein drauf und die Sauenhalter 15 Euro je Ferkel.

Im Frühjahr wurde nach langen Vorbereitungen die Initiative Tierwohl gestartet. Die große Teilnahmebereitschaft zeigte deutlich, dass Landwirte bereit sind, in noch mehr Tierwohl zu investieren, wenn die Mehraufwendungen an der Ladentheke honoriert werden. Die Bilanz fällt allerdings ernüchternd aus. Von 24 teilnahmewilligen Betrieben in Sachsen haben gerademal 7 nach Losverfahren einen positiven Bescheid erhalten.

Der Frust der nicht zum Zuge gekommenen Betriebe ist natürlich groß. Haben sie doch teilweise 6-stellige Beträge zur Verbesserung des Tierwohls investiert. Auf diesen Kosten bleiben sie aber vorerst sitzen. Aldi, Lidl und Co müssen ihr finanzielles Engagement deutlich erhöhen und damit beweisen, dass sie es wirklich ernst mit noch mehr Tierwohl meinen!

Bereits im Frühjahr wurde vom Landesbauernverband auf die dramatische Verschärfung der Lage der viehhaltenden Betriebe hingewiesen. Anfang Juli fand ein Gespräch zwischen SLB und der Molkerei Müller statt. Anfang Oktober traf sich Staatsminister Schmidt mit dem SLB und den Molkereien. Die Fachausschüsse Milch und Veredelung haben mehrfach getagt.

Darüber hinaus hat der Regionalverband mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten des Verbandsgebietes Gespräche geführt. In diesen Gesprächen wurde deutlich darauf hingewiesen, dass die sächsischen Milchbauern und die Schweine- und Geflügelhalter einen Wertschöpfungsverlust von rund 200 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahr zu verkraften haben, die deutschen Bauern insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro. Die politisch motivierten Hilfen in Höhe von 69,2 Mill. Euro bringen dabei keinerlei Entlastung.

Eine wichtige Forderung in allen Gesprächen war die Gestaltung vernünftiger Rahmenbedingungen für uns Landwirte. Hier könnten die Politiker vieles ändern. So besteht bei der Novelle der Düngeverordnung, der Verhinderung der drohenden Abdeckung von Güllelagern, der Verhinderung von Luftwäschen in Stallanlagen, der Verringerung des Flächenverzehrs, der Verhinderung von Verschärfungen im Pflanzenschutz und bei der Bekämpfung der Feldmäuse u.v.m. ein großes Betätigungsfeld für die Politiker.

Vor wenigen Wochen hat das Landwirtschaftsgesetz seinen 60. Geburtstag gefeiert und es ist bis heute noch in Kraft! Nach dem Gesetz ist die Bundesregierung verpflichtet, der Landwirtschaft naturbedingte und wirtschaftliche Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen auszugleichen und die soziale Lage der in der Landwirtschaft tätigen Menschen an die vergleichbarer Berufsgruppen anzugleichen. Die Bundesregierung hat Maßnahmen zu ergreifen, um ein Missverhältnis zwischen Ertrag und Aufwand zu beseitigen. Dabei ist auf eine Betriebsführung abzustellen, die auf eine nachhaltige Ertragssteigerung gerichtet ist.

Nach diesem Gesetz hat die Bundesregierung also einen klaren Handlungsauftrag! Wahrscheinlich ist das Landwirtschaftsgesetz aber eines der am wenigsten beachteten deutschen Gesetze.

Im Anschluss an den Bericht des Vorsitzenden sprachen Frau Zschächner von der Initiative ”Heimische Landwirtschaft“ und Frau Wünsche vom Thüringer Bauernverband über neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit. Dabei stellten sie heraus, dass die Landwirtschaft dringend eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit braucht. Gerade das Thema Landwirtschaft und Ernährung bietet viele Angriffspunkte für Kritiker.

Öffentlichkeitsarbeit sollte dabei in zwei Richtungen betrieben werden. Einerseits als Imagepflege für Personen, die der Landwirtschaft schon wohlgesonnen sind und andererseits vor allem aber Imagepflege für Personen, die keinen Bezug zur Landwirtschaft haben oder haben wollen. Es gilt, Emotionen zu wecken und einfache Botschaften über Massenmedien zu kommunizieren. Verbraucher interessieren sich nicht für Fakten oder Details.

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit kostet aber natürlich auch Geld. Greenpeace gibt beispielsweise 46 Mio. € jährlich für Öffentlichkeitsarbeit aus und beschäftigt dafür 150 Mitarbeiter! Durch die Auflösung der CMA sind der Landwirtschaft jährlich 110 Mio. € an Werbeetat verloren gegangen. Dafür muss ein Ausgleich geschaffen werden.

In ganz Deutschland sind mittlerweile 897 Betriebe Mitglied der Initiative ”Heimische Landwirtschaft“. In Sachsen sind es derzeit lediglich 33. Zu den Zielen der Initiative gehört es, Leistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft sichtbar zu machen, Vertrauen zu schaffen und Vorurteile abzubauen. Es gilt, Aufmerksamkeit für die Landwirtschaft zu wecken. Das Medium ”Radio“ eignet sich dazu hervorragend, da Radiowerbung unschlagbar günstig ist. 80 % der Menschen hören täglich über einige Stunden Radio und können so erreicht werden. Um Radiospots auch in Sachsen ausreichend häufig senden zu können, müssen sich aber noch deutlich mehr Betriebe an der Initiative beteiligen.



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