Regionalbauernverband Mittweida e.V.
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26.11.2016

Mitgliederversammlung wählt neuen Vorstand

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Vergangenen Donnerstag fand im Ritterhof Altmittweida die Jahresversammlung des Regionalbauernverbandes Mittweida statt. Die Versammlung stand ganz unter dem Zeichen der Vorstandsneuwahl. Zahlreiche Betriebe und Landwirte waren der Einladung des Vorsitzenden Christian Richter gefolgt. Als Gäste konnten Wolfgang Vogel, Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Lothar Beier, 1. Beigeordneter des Landrates sowie Mario Schmidt, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie - Leiter der Außenstelle Döbeln und Schulleiter - begrüßt werden.

Der Vorsitzende blickte in seinen Bericht auf ein Jahr mit großen Herausforderungen zurück. Wie bereits in den beiden vergangenen Jahren ist auch der Winter 2015/2016 ausgefallen. Es folgte ein nasses und kaltes Frühjahr. Anfang Mai konnte in den meisten Gebieten der erste Futterschnitt mit guten Erträgen erfolgen. Auch für das Getreide, insbesondere die Wintergerste herrschten gut Wachstumsbedingungen. Die Wintergerste wurde trocken und mit gutem Ertrag eingebracht. Die Erntebedingungen für die verbleibenden Kulturen waren allerdings mehr als schwierig. Auf Grund der schlechten Witterung zog sich die Getreideernte bis weit in den August hin.

Im Oktober waren an mehr als 20 Tagen Niederschläge zu verzeichnen. An vielen Tagen war die Befahrbarkeit der Flächen nicht gegeben. So konnten bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht alle Weizenflächen im Verbandsgebiet bestellt werden. Trotz aller Probleme wurde dennoch eine gute Ernte mit zufriedenstellenden Qualitäten eingefahren.

Nicht zufriedenstellend sind derzeit die Preise für Getreide. Diese befinden sich schon seit Monaten auf Talfahrt und liegen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Die schlechten Getreidepreise verschärfen damit die wirtschaftliche Situation insbesondere in den Betrieben, die durch den katastrophalen Preisverfall bei Milch und Schwein schon stark gebeutelt sind. Hatten diese Betriebe doch auf eine gute Ernte und gute Preise gehofft.

Ein Schwerpunkt des Berichtes waren die desaströsen Preise bei der Milch. Sächsische Milchbauern haben 2015 und in den ersten 10 Monaten des Jahres 2016 rund 300 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Viele Milcherzeuger haben die Produktion gedrosselt, um Verluste zu begrenzen. Einige haben ganz die Reißleine gezogen und die Milchproduktion eingestellt.

Aufgrund der rückläufigen Anlieferungsmenge ist der Preis für deutsche Markenbutter innerhalb weniger Wochen von 79 Cent auf 1,29 Euro gestiegen. Auch die Trinkmilchpreise wurden vom Einzelhandel kürzlich erhöht. Allerdings sind die gestiegenen Preise bisher kaum bei den Milcherzeugern angekommen. Dies muss sich unverzüglich ändern.

Mit den aktuellen Auszahlungspreisen sind die Milchbauern von einer Kostendeckung immer noch weit entfernt. Wir müssen uns aber schon jetzt auf die nächste Krise vorbereiten und selbst aktiv werden, so der Vorsitzende. Wichtig sei es, die Milch zu verkaufen, nicht nur abzuliefern. Es gilt, neue Verträge mit den Molkereien auszuhandeln. Diese Verträge müssen konkrete Festlegungen zu Liefermenge, Qualität und Preise für mehrere Monate im Voraus enthalten. Die Verhandlungsposition der Milcherzeuger ist z.Z. günstig wie lange nicht, da die Molkereien aktuell Rohstoff suchen.

Auch den Schweinehaltern geht es keinesfalls besser, als den Milcherzeugern. Bei Schlachtschweinepreisen von 1,50 Euro je Kilogramm im Jahresdurchschnitt können die Mäster wie bereits 2015 auch 2016 ihre Kosten nicht decken. Bedingt durch die niedrigen Schlachtschweinepreise stiegen die Ferkelpreise von 35 Euro zu Beginn des Jahres nur sehr langsam an. Mitte des Jahres konnten für ein paar Wochen Ferkelpreise von knapp über 50 Euro erzielt werden. Durch den drastischen Preisrückgang bei Schlachtschweinen zu Beginn des vierten Quartals, sanken auch die Ferkelpreise wieder deutlich unter 50 Euro. Im Jahresdurchschnitt können auch die Ferkelerzeuger ihre Kosten nicht decken.

Herr Richter informierte die Anwesenden, dass auch die Politiker seitens des Bauernverbandes mit in die Pflicht genommen wurden. Bei zahlreichen Treffen wurden die aktuellen Probleme angesprochen. Schon im Sommer 2015 hat der Verband auf die Krise in der Landwirtschaft deutlich hingewiesen. Bereits damals wurden zahlreiche Gespräche mit Abgeordneten fast aller Parteien geführt. Auf Initiative des Verbandes wurde im Januar durch den Landesbauernverband eine Kleine Anfrage zur Umsetzung des Landwirtschaftsgesetzes an die Bundesregierung gerichtet.

Der Vorsitzende dankte allen, die sich an den Aktionen des Verbandes beteiligt haben. Sei es an der Aktion "Wir machen euch satt" in Berlin, an der Traktorendemo in Chemnitz, an der Demo vor dem Landtag in Dresden oder an Gesprächen mit Politikern.

Das Thema Oeffentlichkeitsarbeit wird auch in den nächsten Jahren für uns eine wichtige Rolle spielen. Im häufiger geraten wir Landwirte in den Focus der Oeffentlichkeit. Zunehmend müssen wir uns mit Vorwürfen und Unterstellungen über die Landwirtschaft auseinandersetzen. Dies zeigen die Diskussionen um Glyphosat oder erst kürzlich um Nitrat in Trinkwasser. Wir kommen dabei aber häufig mit unseren sachlichen Argumenten gegen die von NGO´s und Medien emotional aufgeheizte Debatte nicht an. Dennoch müssen wir auch weiterhin den Dialog mit den Verbrauchern suchen. Wer sich selbst einmal auf einem Landwirtschaftsbetrieb über die tägliche Arbeit der Landwirte informiert hat und mit eigenen Augen gesehen hat, wie die Tiere gehalten werden, ist weniger anfällig für die häufig verzerrte Darstellung in den Medien.

Höhepunkt der Mitgliederversammlung war die Neuwahl des Vorstandes. 10 Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt. Alle 10 Kandidaten erreichten deutlich mehr als die erforderliche Stimmzahl und waren somit gewählt. Als Vorsitzender des Regionalbauernverbandes wurde Christian Richter (Landwirtschaftsbetrieb Christian Richter Köthensdorf) wiedergewählt. Zum ersten Stellvertreter wurde erneut Udo Böhme (Methauer Agro AG) und zum neuen zweiten Stellvertreter wurde Silvio Hainich (Agrargenossenschaft Hainichen-Pappendorf e.G.) gewählt.

Rainer Groh (Agrargenossenschaft Altmittweida e.G.), Jens Hoffmann (Wirtschaftshof "Sachsenland" Röhrsdorf/Wittgensdorf e.G.), Thomas Neubert (Agrargenossenschaft Rossau e.G.) und Erik Unger (Burgstädt) wurden wiedergewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden Thomas Engelbrecht (Multi Agrar Claußnitz GmbH), Frank Pakulat (GRUMA Agrar GmbH) und Rico Unger (Seifersbacher Land AG).

Während der Stimmenauszählung referierte Präsident Vogel ausführlich zur Agrarpolitik und zu den Herausforderungen an die berufsständische Arbeit. Dabei ging er auf die vielfältigen Aufgabenfelder ein, mit denen sich die berufsständische Interessenvertretung auf EU-, Bundes- und Landesebene beschäftigt. Düngeverordnung, Pflanzenschutzgesetzgebung, Bürokratieabbau, Krisenbewältigung und Vorbereitung der nächsten Agrarförderperiode seien hier nur beispielhaft genannt.



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