Regionalbauernverband Mittweida e.V.
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04.12.2017

Stillstand bei politischen Entscheidungen kritisiert

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Mehr als 100 Mitglieder waren Ende November der Einladung des Verbandes zur Mitgliederversammlung in den "Ritterhof" Altmittweida gefolgt.

In seinem Bericht ließ der Vorsitzende Christian Richter das vergangene Jahr Revue passieren. Wetterkapriolen, überbordende Bürokratie und Stillstand in der Politik haben den Landwirten wieder einmal alles abverlangt.

Witterungsbedingt konnte in diesem Jahr keine zufriedenstellende Ernte eingefahren werden. Bereits die Bestellung der Felder bereitete im vergangenen Herbst Sorgen. Die Aussaat von Raps und Wintergerste erfolgte unter sehr trockenen Bedingungen. Dies wirkte sich negativ auf das Pflanzenwachstum aus. Im Oktober waren aufgrund der häufigen Regentage die Felder kaum befahrbar, sodass sich die Aussaat von Winterweizen bis in den November hinzog. Auf einigen Flächen konnte der Weizen nicht mehr rechtzeitig ausgebracht werden. Entgegen der ursprünglichen Anbauplanung mussten diese im Frühjahr mit Sommergerste oder Mais bestellt werden. Die langanhaltende Frühjahrstrockenheit lies die Hoffnungen auf gute Erträge schwinden. Auch die Ernte verlief nicht problemlos. Ab Mitte Juli setzte ein längerer wechselhafter Witterungsabschnitt ein. Es war kaum möglich, über mehrere Tage hinweg ununterbrochen zu dreschen. Zwar konnten zufriedenstellende Qualitäten geerntet werden, aber die Erträge waren meist enttäuschend. Am erfreulichsten waren noch die Erträge bei der Wintergerste. Sie lagen in unserem Verbandsgebiet auf dem Niveau des Vorjahres und damit knapp 8 Prozent über dem 5-jährigen Mittel. Bei Winterweizen hingegen konnte der gute Ertrag des Vorjahres nicht erreicht werden. Es wurden 13 Prozent weniger geerntet. Auch das 5-jährige Mittel wurde um 6 Prozent verfehlt. Besonders enttäuschend waren die Erträge der Sommergerste. Sie lagen deutlich unter dem Vorjahr und auch 25 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Ebenfalls enttäuscht hat der Raps. Es wurden 5 Prozent weniger als im Vorjahr geerntet und 13 Prozent weniger als im Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Nach wie vor nicht zufriedenstellend sind derzeit die Preise für Getreide. Obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen sind, liegen sie noch immer deutlich unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre.

Die Situation der Milcherzeuger ist gegenwärtig deutlich besser als in den vergangenen beiden Jahren. 2 Jahre rasanter Sinkflug der Erzeugerpreise und Verlusten in Millionenhöhe hatten zu einem Rückgang der Milchanlieferung und damit zu einem Preisanstieg geführt. Auch wenn sich die Marktlage verbessert hat, darf sich die Milchbranche jetzt nicht ausruhen. Die in der letzten Krise aufgezeigten Probleme müssen dringend angegangen werden. Der SLB-Fachausschuss "Milch" hat Ende des letzten Jahres den Entwurf eines Milchkaufvertrages vorgestellt. Damit wurde eine langjährige Forderung von Milcherzeugern erfüllt. Wie man gute Milchpreise für die Zukunft absichern kann, konnten Teilnehmer des Seminars "Milchpreisabsicherung an der Börse" erfahren, das unsere Geschäftsstelle organisiert hatte. 40 Milcherzeuger, Erzeugergemeinschaften, Molkereien, Beratungsunternehmen und Banken nutzten dieses Angebot.

Aehnlich erfreulich wie der Milchpreis hatte sich auch der Schweinepreis in den ersten 3 Quartalen entwickelt. Nach drei sehr schweren Jahren hatte sich der Preis im zweiten und dritten Quartal erstmals wieder auf ein kostendeckendes Niveau erholt. Mussten die Mäster im vergangenen Jahr im Jahresdurchschnitt mit knapp 1,50 € auskommen, so wird der Durchschnitt in diesem Jahr voraussichtlich bei etwa 1,60 € liegen. Leider ist der Preis im vierten Quartal wieder eingebrochen. Das hohe Schlachtaufkommen und der deutliche Rückgang der chinesischen Importe haben den Preisdruck spürbar verstärkt. Der gesunkene Schlachtschweinepreis führte zu einem Rückgang der Ferkelpreise. Kastenstandsurteil, Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration, Verschärfung der TA Luft und Afrikanische Schweinepest bedrohen darüber hinaus die deutsche Schweineproduktion.

In den nächsten Wochen und Monaten werden die Diskussionen um die Ausrichtung der EU-Agrarpolitik ab 2020 weiter Fahrt aufnehmen. Die EU-Kommission hat kürzlich einen ersten "Testballon" gestartet. Offenbar plant sie wieder einmal die Kappung der Direktzahlungen aus der Ersten Säule. Diesmal auf einen jährlichen Betrag zwischen 60.000 Euro und 100.000 Euro je Betrieb. Dabei sollen jedoch die Arbeitskräfte Berücksichtigung finden, um keine Arbeitsplätze zu gefährden. Durch die Kappung soll die Verteilung der Mittel "gerechter" werden. Ziel soll es vor allem sein, die kleinen und mittelständischen Betriebe stärker zu unterstützen. Die Absichten der EU-Kommission würden aber eine deutliche Benachteiligung der ostdeutschen Landwirtschaft bedeuten. Hier bedarf es guter Argumente und des massiven Einsatzes insbesondere der ostdeutschen Verbände und Politiker, um eine weitere Verschärfung der Umverteilung zu verhindern.

Kritisiert wurde vom Vorsitzenden der monatelange Stillstand bei politischen Entscheidungen. Schon lange vor der Bundestagswahl wurden wichtige Entscheidungen mehrfach vertagt. Seit mehr als 2 Monaten wird nun um die Regierungsbildung gerungen. Bisher ohne Erfolg. Für uns Landwirte sind weiterhin viele Fragen offen. Auch in Brüssel hat man bei der Debatte um die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung auf ein klares Signal aus Berlin gewartet. Langezeit allerdings vergebens.

Neben der Bestätigung der Berichte des Vorstands und der Kassenprüfer wurde dem Vorstand sowie der Geschäftsführung Entlastung erteilt und eine neue Beitragsordnung beschlossen.

Ein interessanter Vortrag von Dipl.-Ing. (FH) Tilo Sahlbach von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig zur Gebührenreduzierung durch innovative Regenwassernutzung rundete die Versammlung ab.



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