Regionalbauernverband Mittweida e.V.
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01.12.2017

25 Jahre RBV Westsachsen

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Im gut gefüllten Speisesaal der Friweika e.G. Weidensdorf fand Ende November die Jubiläumsversammlung des Regionalbauernverbandes Westsachsen statt.

In seinem Bericht ließ der Vorsitzende Rainer Stauch das vergangene Jahr Revue passieren. Wetterkapriolen, überbordende Bürokratie und Stillstand in der Politik haben den Landwirten wieder einmal alles abverlangt.

Witterungsbedingt konnte in diesem Jahr keine zufriedenstellende Ernte eingefahren werden. Bereits die Bestellung der Felder bereitete im vergangenen Herbst Sorgen. Die Aussaat von Raps und Wintergerste erfolgte unter sehr trockenen Bedingungen. Dies wirkte sich negativ auf das Pflanzenwachstum aus. Im Oktober waren aufgrund der häufigen Regentage die Felder kaum befahrbar, sodass sich die Aussaat von Winterweizen bis in den November hinzog. Auf einigen Flächen konnte der Weizen nicht mehr rechtzeitig ausgebracht werden. Entgegen der ursprünglichen Anbauplanung mussten diese im Frühjahr mit Sommergerste oder Mais bestellt werden. Die langanhaltende Frühjahrstrockenheit lies die Hoffnungen auf gute Erträge schwinden. Auch die Ernte verlief nicht problemlos. Zwar konnten zufriedenstellende Qualitäten geerntet werden, aber die Erträge waren meist enttäuschend. So lagen im Verbandsgebiet die Erträge bei Wintergerste 20 Prozent unter dem Vorjahr und auch 20 Prozent unter dem 5-jährigen Mittel. Bei Winterweizen konnte die guten Erträge der Vorjahre nicht ganz erreicht werden. Auch im Vergleich zum 5-jährigen Mittel viel der Ertrag leicht unterdurchschnittlich aus. Enttäuscht hat auch in diesem Jahr der Raps. Die Erträge lagen 10 Prozent unter dem schon nicht so guten Vorjahr und 15 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Nach wie vor nicht zufriedenstellend sind derzeit die Preise für Getreide. Obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen sind, liegen sie noch immer deutlich unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre.

Die Situation der Milcherzeuger ist gegenwärtig deutlich besser als in den vergangenen beiden Jahren. 2 Jahre rasanter Sinkflug der Erzeugerpreise und Verlusten in Millionenhöhe hatten zu einem Rückgang der Milchanlieferung und damit zu einem Preisanstieg geführt. Auch wenn sich die Marktlage verbessert hat, darf sich die Milchbranche jetzt nicht ausruhen. Die in der letzten Krise aufgezeigten Probleme müssen dringend angegangen werden. Der SLB-Fachausschuss "Milch" hat Ende des letzten Jahres den Entwurf eines Milchkaufvertrages vorgestellt. Damit wurde eine langjährige Forderung von Milcherzeugern erfüllt. Wie man gute Milchpreise für die Zukunft absichern kann, konnten Teilnehmer des Seminars "Milchpreisabsicherung an der Börse" erfahren, das unsere Geschäftsstelle organisiert hatte. 40 Milcherzeuger, Erzeugergemeinschaften, Molkereien, Beratungsunternehmen und Banken nutzten dieses Angebot.

Aehnlich erfreulich wie der Milchpreis hatte sich auch der Schweinepreis in den ersten 3 Quartalen entwickelt. Nach drei sehr schweren Jahren hatte sich der Preis im zweiten und dritten Quartal erstmals wieder auf ein kostendeckendes Niveau erholt. Mussten die Mäster im vergangenen Jahr im Jahresdurchschnitt mit knapp 1,50 € auskommen, so wird der Durchschnitt in diesem Jahr voraussichtlich bei etwa 1,60 € liegen. Leider ist der Preis im vierten Quartal wieder eingebrochen. Das hohe Schlachtaufkommen und der deutliche Rückgang der chinesischen Importe haben den Preisdruck spürbar verstärkt. Der gesunkene Schlachtschweinepreis führte zu einem Rückgang der Ferkelpreise. Kastenstandsurteil, Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration, Verschärfung der TA Luft und Afrikanische Schweinepest bedrohen darüber hinaus die deutsche Schweineproduktion.

In den nächsten Wochen und Monaten werden die Diskussionen um die Ausrichtung der EU-Agrarpolitik ab 2020 weiter Fahrt aufnehmen. Die EU-Kommission hat kürzlich einen ersten "Testballon" gestartet. Offenbar plant sie wieder einmal die Kappung der Direktzahlungen aus der Ersten Säule. Diesmal auf einen jährlichen Betrag zwischen 60.000 Euro und 100.000 Euro je Betrieb. Dabei sollen jedoch die Arbeitskräfte Berücksichtigung finden, um keine Arbeitsplätze zu gefährden. Durch die Kappung soll die Verteilung der Mittel "gerechter" werden. Ziel soll es vor allem sein, die kleinen und mittelständischen Betriebe stärker zu unterstützen. Die Absichten der EU-Kommission würden aber eine deutliche Benachteiligung der ostdeutschen Landwirtschaft bedeuten. Hier bedarf es guter Argumente und des massiven Einsatzes insbesondere der ostdeutschen Verbände und Politiker, um eine weitere Verschärfung der Umverteilung zu verhindern.

Kritisiert wurde vom Vorsitzenden auch der monatelange Stillstand bei politischen Entscheidungen. Schon lange vor der Bundestagswahl wurden wichtige Entscheidungen mehrfach vertagt. Seit mehr als 2 Monaten wird nun um die Regierungsbildung gerungen. Bisher ohne Erfolg. Für uns Landwirte sind weiterhin viele Fragen offen. Auch in Brüssel hat man bei der Debatte um die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung auf ein klares Signal aus Berlin gewartet. Langezeit allerdings vergebens.

In seinem Bericht ging der Vorsitzende anschließend auf die 25jährige Geschichte des Verbandes ein. Gegründet am 03. Oktober 1992, dem Tag der Deutschen Einheit, sollte dies symbolisch für die Einheit im Berufsstand stehen. Die ersten Jahre des Verbandes waren nicht immer leicht. Es musste so manche Entscheidungen von weittragender Bedeutung getroffen werden. Dass dabei vieles richtig gemacht wurde, zeigt die positive Entwicklung des Verbandes. Diese war in den ganzen Jahren eng mit der Entwicklung der EU-Agrarpolitik verbunden. Ob MacSharry-Reform 1992, Agenda 2000, Agrarreform 2003, Health Check 2008 oder bei der Reform 2014, stets hat sich unser Verband an den Aktionen und Demonstrationen des Berufsstandes aktiv beteiligt und so mitgeholfen, negative Auswirkungen der Reformen abzumildern, auszusetzen oder ganz zu verhindern. Heute erfolgt Lobbyarbeit überwiegend abseits der Oeffentlichkeit durch Verhandlungen mit Politikern, Ministerien und Behörden. Sie wird deshalb von den Landwirten nicht immer wahrgenommen. Dennoch ist diese Lobbyarbeit meist erfolgreich. Der sachliche Dialog hat sich durchgesetzt! In 25 Jahren gab es Höhen und Tiefen und oft wurde über den richtigen Weg gestritten. Dabei haben wir uns immer als Interessenvertreter aller Landwirte, unabhängig von Betriebsgröße oder Rechtsform verstanden.

Neben der Bestätigung der Berichte des Vorstands und der Kassenprüfer wurde dem Vorstand sowie der Geschäftsführung Entlastung erteilt und eine neue Beitragsordnung beschlossen.

Ein interessanter Vortrag von Dr. Kramer, Vorsitzender der Friweika e.G., über die Entwicklung des Unternehmens von seiner Gründung im Jahr 1970 bis in die Gegenwart rundete die Versammlung ab.



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