Regionalbauernverband Mittweida e.V.
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18.11.2019

Mitgliederversammlung mit weitreichenden Beschlüssen

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Vergangenen Donnerstag wurde zur Mitgliederversammlung des RBV wieder Rechenschaft über die Arbeit des Vorstands abgelegt. In seinem Bericht ließ der Vorsitzende, Christian Richter, das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren.

Ernte


Nachdem im vergangenen Jahr in weiten Teilen Sachsens extreme Dürre herrschte, hatten die Niederschläge im Winter zu einer leichten Entspannung geführt. Trotzdem konnte das Wasserdefizit des Vorjahres bei weitem nicht ausgeglichen werden.

Da der Mai war relativ kühl und nass war, hätten wir nach einer alten Bauernregel eigentlich mit einer sehr guten Ernte rechnen können. Allerdings folgte dem kühlen Mai der heißeste und sonnigste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, verbunden mit großer Trockenheit. Damit sank die Hoffnung auf gute Erträge.

Die Erträge lagen bei Getreide und Raps leicht über dem sehr schlechten Vorjahr aber zwischen 2 und 10 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Lediglich bei Wintergerste wurde ein leicht überdurchschnittlicher Ertrag erreicht. Auch die Futterernte war im zweiten Jahr hintereinander unterdurchschnittlich ausgefallen, sodass es in einigen Betrieben zu Futterengpässen kommen könnte.

Milch


Die wirtschaftliche Lage der milcherzeugenden Betriebe ist derzeit alles andere als rosig. Der Milchpreis bewegt sich seit Anfang des Jahres auf einem gleichbleibend niedrigen Niveau und schwankte von Januar bis Oktober zwischen 30 und 31,5 Cent. Im Jahresdurchschnitt werden die sächsischen Molkereien vermutlich knapp unter 31 Cent liegen und damit noch einmal etwa 0,5 Cent unter dem schon niedrigen Durchschnittspreis des Jahres 2018. Damit konnte auch 2019 in den allermeisten Betrieben Milch nicht kostendeckend produziert werden.

Schwein

Anders als bei den Milcherzeugern hat sich die Lage für die schweinehaltenden Betriebe in diesem Jahr deutlich entspannt. Nach 5 sehr schweren Jahren und einem ersten Quartal mit einem Durchschnittspreis von nur 1,41 € je kg Schlachtgewicht, setzte mit Beginn des zweiten Quartals ein merklicher Preisanstieg ein. Vor allem der gewachsene Importbedarf Chinas infolge der Afrikanischen Schweinepest belebte den Preis. Der ASP-Ausbruch hatte zu einem drastischen Einbruch der Sauenbestände in China geführt. Im zweiten Quartal betrug der Durchschnittspreis 1,78 € und im dritten Quartal 1,82 €. Aktuell liegt der Schweinepreis bei 1,89 €. Wenn es in den letzten Wochen des Jahres keinen deutlichen Preiseinbruch gibt, werden im Jahresdurchschnitt vermutlich ca. 1,70 bis 1,72 € erreicht. Damit könnten die meisten Schweinehalter in diesem Jahr kostendeckend produzieren. Allerdings brauchen sie noch etliche Monate mit den jetzigen Preisen, um die Verluste der letzten Jahre annähernd ausgleichen zu können!

Agrarpolitik

Vor etwa 3 Wochen gab es in vielen deutschen Großstädten machtvolle Bauernproteste darunter auch in Chemnitz, Leipzig und Görlitz. Zuvor hatten zahlreiche Landwirte schon zum stillen Protest gegen die aktuelle Agrarpolitik grüne Kreuze auf ihren Feldern aufgestellt. Vielen reichte aber dieser stille Protest nicht aus. Eine bundesweit aktive Gruppe verbandsunabhängiger Landwirte hatte deshalb für den 22.10. bundesweite Traktorendemos organisiert. Damit wurde deutlich, dass die Situation der deutschen Landwirte nicht nur von den Verbänden dramatisiert wurde, sondern die Stimmung an der Basis tatsächlich so schlecht ist, wie seit Jahren nicht.

In den vergangenen Monaten hatte sich bei den Landwirten ein enormer Frust aufgestaut. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat dann das geplante Agrarpaket der Bundesregierung. Dies sieht weitere Einschränkungen bei Pflanzenschutz und Düngung vor. Kritisch sehen wir Landwirte auch das staatliche Tierwohllabel und die zusätzliche Umschichtung von Direktzahlungen.

Auch die permanente Stimmungsmache gegen die moderne Landwirtschaft durch Tierschutz- und Umweltverbände sowie die Medien haben zu großer Frustration geführt. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Landwirten und ihren Angehörigen sind keine Seltenheit mehr. Das gefährdet die Zukunft unser Betriebe und damit auch des ländlichen Raums. Deshalb haben sich auch besonders viele junge Landwirte an den Protesten beteiligt.

Für massiven Unmut unter den betroffenen Landwirten hat auch die im Frühjahr erfolgte Ausweisung der Gebiete mit hoher Nitratbelastung (sogenannte rote Gebiete) in Sachsen gesorgt. Hier erwarten wir Landwirte eine schnellstmögliche Überprüfung des Messstellennetzes. Nach unserer Auffassung sind die überwiegende Zahl der Messstellen bewusst an Stellen errichtet worden, wo hohe Einträge erwartet wurden.

Mit all diesen Problemen haben wir uns Anfang November in einem Brief an unseren Ministerpräsidenten gewandt. Mit Spannung erwarten wir jetzt seine Antwort und natürlich auch die Umsetzung unserer Forderungen.

25 Jahre RBV

Unser Verband feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. In den vergangenen 25 Jahren hat sich unser Regionalbauernverband immer als verlässlicher Partner des Landesbauernverbandes erwiesen. Über viele Jahre hinweg haben Vertreter unseres Verbandes als Landesvorstandsmitglieder die Politik des SLB mit bestimmt.

Die ersten Jahre des Verbandes waren nicht immer leicht. Es musste so manche Entscheidungen von weittragender Bedeutung getroffen werden. Dass dabei vieles richtig gemacht wurde, zeigt die positive Entwicklung unseres Verbandes.

In den vergangenen 25 Jahren haben wir Höhen und Tiefen erlebt und oft über den richtigen Weg gestritten. Dabei haben wir uns immer als Interessenvertreter aller Landwirte, unabhängig von Betriebsgröße oder Rechtsform verstanden. Aufgrund der Heterogenität der Mitgliedsbetriebe ist aber bei Entscheidungen im Verband immer ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft und innerverbandlicher Solidarität der einen oder anderen Seite erforderlich. Das geschlossene Auftreten des Verbandes nach außen ist unsere größte Stärke. Diese dürfen wir nicht aufs Spiel setzen. Auch wenn dabei einmal Einzelinteressen hinter die Interessen der Mehrheit zurück treten müssen. Eine Spaltung des Berufsstandes wäre eine Steilvorlage an die Politik, die allen Landwirten schaden würde.

Auch wenn nicht jeder Einsatz für den Berufsstand von Erfolg gekrönt ist, die Lobbyarbeit des Bauernverbandes vom DBV über den SLB bis hin zu unserem Regionalverband ist alternativlos. Wer, wenn nicht wir, kann unsere Interessen vertreten?

Verbandsausrichtung


Seit geraumer Zeit beschäftigt sich unser Vorstand mit der Ausrichtung des Verbandes. Bereits seit April 1997 arbeiten wir mit dem RBV Mittweida in einer gemeinsamen Geschäftsstelle vertrauensvoll und zielorientiert zusammen. Die gemeinsame Geschäftsführung hat es uns in der Vergangenheit ermöglicht, unsere Kräfte zu bündeln und die Verbandsarbeit zu relativ niedrigen Beiträgen für die Mitglieder zu organisieren. Die Regionalverbände haben sich gut entwickelt und sind damit auch ein verlässlicher Partner für unsere Mitglieder.

Wir sind mit einer gemeinsamen Geschäftsführung schon vor Jahren einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Für die Zukunft gilt es, weitere Reserven zu erschließen. Aufgrund der juristischen Selbständigkeit sind für beide Verbände jeweils die entsprechenden Gremien zu wählen sowie getrennte Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen durchzuführen. Darüber hinaus muss natürlich auch für jeden Verband eine getrennte Buchführung erfolgen. Es werden also viele Arbeiten doppelt erledigt.

In unserem Verband stehen im nächsten Jahr Vorstandsneuwahlen an. Die Bereitschaft unserer Mitglieder, aktiv als Ehrenamt im Vorstand für den Verband tätig zu werden, hält sich allerdings in Grenzen. Im RBV Westsachsen werden zur nächsten Vorstandswahl altersbedingt 6 Vorstandsmitglieder ausscheiden. All dies hat die Vorstände beider Verbände dazu veranlasst, sich mit dem Thema einer weiteren Bündelung der Kräfte zu beschäftigen, die in einer Zusammenführung beider Regionalverbände münden soll. Durch die Neustrukturierung soll kein Mitglied schlechter gestellt werden. Alle Mitglieder sollen im neuen Verband die gleichen Rechte und Pflichten zu selben Beiträgen, wie im alten Verband haben. Nach Abschluss der Verhandlungen muss dann in einer weiteren Mitgliederversammlung – voraussichtlich im März 2020 - über eine Zusammenführung der beiden Verbände rückwirkend zum 01.01.2020 abgestimmt werden. Der Vorstand wurde von der Mitgliederversammlung zur Aufnahme von Fusionsverhandlungen bevollmächtigt. Außerdem wurde er ermächtigt, Mitglieder aus dem Altkreis Döbeln in unseren Verband aufzunehmen, nachdem sich der RBV Döbeln-Oschatz zum 31.12.2019 auflöst.


In einem kurzen Grußwort ging der 1. Beigeordnete des Landkreises Mittelsachsen, Dr. Lothar Beier, auf die angespannte Lage der Landwirtschaft ein. Die Folgen der Dürre der letzten beiden Jahre, die miserable Situation bei den Preisen für landwirtschaftliche Produkte – all das ließ es nicht zu, dass Reserven angespart werden konnten. Bezüglich der Klimadebatte mahnte an, dass diese mit Verstand geführt werden sollte. Die aktuellen Demonstrationen sieht Dr. Beier als große Chance, auf die Probleme in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Die Landwirtschaft braucht eine starke Interessenvertretung.



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